"Standardfragen können auswendig gelernt werden, ein Gespräch nicht."

Von Tanja Beeler - 29. November 2017

Tamara Schmid arbeitet seit vier Jahren in der Human Resources Abteilung bei ti&m. Zusammen mit vier weiteren Teammitgliedern, inklusive zwei Lernenden, betreut sie über 300 Mitarbeitende an vier Standorten, und kümmert sich um Ein- und Austritte, sowie alles, was dazwischen anfällt. Wir haben mit ihr über das Spannende an ihrer Arbeit und den Einstellungsprozess gesprochen.

ti&m: Tamara, was ist besonders spannend an deinem Job?

Tamara Schmid: An erster Stelle, dass es hauptsächlich um Menschen geht. Denn auch wenn die Grundprozesse gleich bleiben, sind die Menschen dahinter komplett verschieden. Zudem ist mein Job sehr vielseitig. Wir betreuen nämlich alle HR-Themen, von der Einstellung bis hin zur Kündigung, sowie alle Anliegen, die vor, nach und während einer Anstellung anfallen. Dabei gleicht kein Tag dem Anderen, wobei es natürlich auch unschöne Dinge gibt. Beispielsweise sind arbeitgeberseitige Kündigungen immer schwierige Situationen, die man generell nie gerne macht. Aber auch diese Erfahrungen sind wichtig und gehören zu einer HR-Position dazu. Und genau dies macht es für mich extrem spannend. Sehr vieles ist auch unvorhersehbar und das macht jeden Tag anders – positiv wie auch negativ. Es existiert kein Alltagstrott und man kann definitiv sagen, dass man nach einem Jahr noch nicht alles gesehen hat.

Ein Grossteil der ti&m Mitarbeitenden arbeitet im technischen Bereich. Merkst du da Unterschiede zu den Personen, die im Backoffice arbeiten?

Nein, generell gibt es da keine Unterschiede. Wobei ich natürlich bei Einstellungsgesprächen für Backoffice-Mitarbeitende öfters dabei bin und mitentscheiden darf. Bewirbt sich jemand als Software Ingenieur, wird in den Gesprächen zuerst auf das technische Wissen fokussiert.

Wie genau sieht denn der Ablauf eines klassischen Gesprächs für einen Ingenieur aus?

Wie gesagt, haben diese Bewerber zuerst ein Gespräch, welches auf die technischen Aspekte der Stelle fokussiert. Dieses dauert insgesamt 1,5 Stunden und wird durch zwei unserer Ingenieure geführt. Im Anschluss folgt ein Gespräch mit dem zukünftigen Vorgesetzten. Manchmal wird zusätzlich eine Aufgabe gestellt, eine Art kleines Assessment. Zusammen, und insbesondere auch anhand des technischen Feedbacks, wird dann entschieden, ob der Bewerber eine Runde weiter kommt. In der zweiten Gesprächsrunde treffen die Bewerber dann auf zwei Mitglieder der Geschäftsleitung in Gesprächen à je 45 Minuten – wobei immer jemand überzieht (lacht). Dieser Ablauf kann sich natürlich je nach Position etwas verändern.

Es existiert kein Alltagstrott und man kann definitiv sagen, dass man nach einem Jahr noch nicht alles gesehen hat.

Was sind für dich die Basics jeder Bewerbung?

Ein erster wichtiger Schritt ist sicher die Vollständigkeit. Dies beinhaltet: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Diplome. Als zweiter Punkt sticht natürlich ins Auge, wie eine Bewerbung gestaltet ist. Ist alles einfach hingeschludert oder gut strukturiert? Hat es Rechtschreibfehler? Ich muss spüren, dass sich jemand Gedanken gemacht und Mühe gegeben hat.

Und dann natürlich am liebsten alles in einem Dokument oder?

Für die Bearbeitung ist es für uns tatsächlich einfacher, wenn alle Unterlagen in einem PDF-Dokument vorhanden sind. Das ist dann auch angenehmer zu drucken – mit einem Klick (lacht).

Nehmen wir überhaupt Papier-Bewerbungen entgegen?

Grundsätzlich ja. Als digitales Unternehmen bevorzugen wir aber ganz klar die elektronische Bewerbung.

Was gibt es für Muss-Kriterien bei ti&m?

Bei uns ist ein Universitäts- oder Fachhochschulabschluss wichtig. Aufgrund unserer anspruchsvollen Projekte bevorzugen wir ein Masterdiplom. Aber auch ein Bachelor-Abschluss mit dem selbstgesteckten Ziel zum Master-Abschluss ist bei uns gern gesehen. Berufserfahrung ist ebenfalls immer wünschenswert. Kommt jedoch ein talentierter Studienabgänger, der ein totaler Crack ist, dann nehmen wir uns auch gerne die Zeit, die Person aufzubauen. Von Vorteil ist natürlich, wenn ein Bewerber nicht jedes Jahr den Job gewechselt hat, sondern etwas Konstanz im Lebenslauf zeigt. Unser Ziel ist, dass unsere Mitarbeitenden uns nicht bereits nach einem Jahr wieder verlassen.

Wertvoll ist sicher auch, wenn die Person gut Englisch und Deutsch spricht. Deutsch ist am Anfang keine Pflicht, da wir aber oft Kunden haben, die deutschsprachig sind, müssen sich unsere Mitarbeitenden gute Deutschkenntnisse aneignen. Aber wie immer: die Ausnahme bestätigt die Regel. Hinzu kommt die Reisebereitschaft, denn unsere Mitarbeitenden müssen gewillt sein, für Projekte auch mal über einen längeren Zeitraum beim Kunden zu arbeiten. Hauptsächlich ist das dann in der deutschsprachigen Schweiz. Lernwilligkeit und Flexibilität ergänzen den perfekten ti&m Mitarbeitenden.

Ein Bild kann extrem viel aussagen, deswegen macht ein professionelles Foto immer einen guten Eindruck.

 

Was sind schöne Pluspunkte, die eine Bewerbung hervorstechen lassen?

Positiv ist immer, wenn ein individuelles Bewerbungsschreiben existiert und nicht einfach die Adresse geändert wird. Ein Foto kann im Bewerbungsprozess hilfreich sein, wenn man beispielsweise die Bewerber nochmals kurz anschauen und Revue passieren lassen möchte. Ein Bild kann extrem viel aussagen, deswegen macht ein professionelles Foto immer einen guten Eindruck.

Gibt es sonstige Informationen, die für das Gespräch wichtig sind?

Eine Frage, die oft gestellt wird, ist, ob wir eine Kleiderordnung haben. Generell gibt es bei uns keine Richtlinien für das Vorstellungsgespräch. Aber es ist eigentlich klar, dass man nicht in Flipflops auftaucht. Jeans und Hemd sind völlig in Ordnung. Im Consultingbereich ist dann der Anzug doch die erste Wahl, allerdings auch nur bei Kundenkontakt.

Ansonsten ist Pünktlichkeit das A & O. Dazu gibt es eine lustige Geschichte: Wir hatten ein Vorstellungsgespräch im Sommer und der Bewerber war eine halbe Stunde zu spät. Er hat mich dann angerufen und war total schlecht gelaunt und meinte: „Es ist 30 Grad, ich finde kein Taxi in Zürich und komme nun bestimmt nicht mehr zum Gespräch.“ Zudem schwitze und stinke er. Ich war völlig perplex, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Ich wollte ihm dann noch den Weg mit dem ÖV erklären. Aber er wollte nichts davon wissen und ist dann natürlich nicht mehr aufgetaucht (lacht).

Wie ist der Spirit bei ti&m oder wie muss eine Person sein, damit sie hier reinpasst?

Sie muss gegenüber neuen Technologien aufgeschlossen sein und sollte auch Speed mitbringen. Jemand der einfach einen gemütlichen Job sucht, ist bei uns an der falschen Adresse. Zudem: Lockerheit, Flexibilität, jung geblieben, Mut zu Veränderung sowie loslegen können, ohne Angst zu haben, etwas falsch zu machen. 

Eine Kündigung muss nicht heissen, dass die Person nicht qualifiziert ist. Vielleicht hat einfach der Arbeitgeber nicht gepasst [...].

Was sagst du zu Lücken im Lebenslauf?

Lücken sind kein Problem, wenn sie begründet sind. Bei Arbeitslosigkeit oder Reisen finde ich es immer ehrlicher, wenn es bereits im Lebenslauf steht – entdeckt wird es sowieso. Besser das Ganze von Anfang an aufklären. Zum Beispiel kann darauf bereits im Motivationsschreiben eingegangen werden. Dasselbe gilt natürlich auch für fehlende Arbeitszeugnisse. Denn eine Kündigung muss nicht heissen, dass die Person nicht qualifiziert ist. Vielleicht hat einfach der Arbeitgeber nicht gepasst oder es gab eine Reorganisation.  

Wie stehst du zu Standardfragen, wie beispielsweise „Was sind deine Stärken und Schwächen“?

Das ist bei ti&m sicher auch speziell. Wir haben keine vorgefertigten Standardfragebögen. Unsere Mitarbeitenden sind da frei und können fragen, was sie für wichtig erachten. Wir wollen den Menschen hinter der Bewerbung spüren und Dinge erfahren, die wir nicht mit Standardfragen prüfen können. Der Fokus liegt auf einem echten Gespräch und keinem Verhör. Standardfragen können auswendig gelernt werden, ein Gespräch nicht. 

  • Tanja Beeler

    Tanja Beeler studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Politologie sowie Gender Studies an der Universität Zürich. Seit Anfang 2016 arbeitet sie als Marketing Professional bei ti&m. Neben verschiedenen Events und dem HR Marketing, betreut sie das Projekt hack an app.

Kommentieren

* Erforderliche Angaben