«Es reicht heute nicht mehr, einfach nur gut programmieren zu können »

Von Tiffany Wüest - 19. Juli 2017

David Perrenoud hat sich schon früh für die IT begeistert, sich bei der Studienwahl aber für angewandte Physik entschieden – um seinen Horizont zu erweitern. Seit seinem Abschluss arbeitet er nun als Software Engineer Mobile bei ti&m und setzt sich für die Nachwuchsförderung ein. Wir haben ihn zu seiner Arbeit, seinen Zielen und seinen Vorbildern befragt.

ti&m: An was arbeitest du gerade?
David Perrenoud: Das ist sehr spannend. Ich bin gerade Teil eines ti&m Garagenprojekts über Ethereum Blockchain mit uPort Identity, in dem wir in einem kleinen Team in nur drei Wochen eine mobile App bauen müssen. Ich bin für die Entwicklung der mobile App zuständig, meine zwei Teammitglieder arbeiten jeweils an den Smart Contracts und dem Datenbank Backend. Leider kann ich aufgrund der Geheimhaltungspflicht nicht mehr erzählen. Aber ein weiteres Projekt, welches von ti&m mit Ethereum/uPort umgesetzt wurde, ist das Pilotprojekt der Stadt Zug, bei dem die Einwohner der Gemeinde die Möglichkeit haben, eine auf Blockchain basierende digitale Identität zu erhalten.

Nur 3 Wochen, ist das nicht zu kurz?
Das ist die Definition der ti&m Garage, in den drei Wochen wird ein Prototyp erarbeitet und wir können herausfinden, was funktioniert und was nicht. Das tönt knapp, aber man kann dabei sehr agil arbeiten.

Warst du auch schon auf längeren Projekten?
Kaum (lacht), mein längstes Projekt hat fünf Monate gedauert. Aber ich bin auch in gewisser Weise ein Spezialfall, denn mir gefällt die Abwechslung. Ich bin sehr flexibel und probiere gerne neue Projekte aus, das wissen auch meine Vorgesetzten. Viele meiner Kollegen bevorzugen aber ein längerfristiges Commitment. Abgesehen von den superschnellen Garagen dauert bei uns ein Projekt im Schnitt einige Monate.

David Perrenoud, Software Engineer bei ti&m


Gibt es einen Teil deiner Arbeit, auf den du besonders stolz bist?
Ich habe bereits rund 60 Kinder und Jugendliche für die IT begeistern können. Wir führen ungefähr 15 mal pro Jahr sogenannte „hack an app“ Projektwochen für Schüler durch. Es geht darum Vorurteile zu beseitigen, Berührungsängste zu verlieren und zu zeigen, wie wir in der IT wirklich arbeiten. Dabei wird eine eigene App erarbeitet, von der Konzeption und Design bis hin zur Entwicklung und dem Pitch vor dem Kunden bzw. den Eltern. Ich versuche jeweils bei zwei bis drei Kursen pro Jahr als Kursleiter mitzuwirken.

Erzähl mir ein wenig von deinem Hintergrund. Wieso bist du Softwareentwickler geworden?
Wie viele Entwickler habe ich bereits mit 12 Jahren in meiner Freizeit angefangen, mir JavaScript, HTML, PHP und Ruby beizubringen. Ich habe Webseiten, Apps und Datenbanken entwickelt, vor allem für kleine Firmen von Bekannten und Familienmitgliedern. Heute liegen meine Schwerpunkte bei JavaScript, aber ich arbeite auch mit Swift, Objective-C, Java, Solidity, Ruby und Bash.

Dann noch vier Jahre in den Doktortitel investieren wollte ich nicht, das war mir zu
lang.

Du hast dann aber nicht Informatik studiert, sondern den Master in angewandter Physik gemacht.
Genau. Ich wollte meinen Horizont erweitern und etwas lernen, was über die IT, mit der ich mich schon viel in meiner Freizeit beschäftigt habe, hinausgeht. Ich habe mich dann entschieden Informatik in meiner Freizeit weiterzuverfolgen und stattdessen angewandte Physik studiert. Diese Entscheidung bereue ich nicht, aber dann noch vier Jahre in den Doktortitel investieren wollte ich nicht, das war mir zu lang.

War der Berufseinstieg in die IT für dich schwieriger, weil du nicht Informatik studiert hast?
Nein, gar nicht. Neben dem Studium habe ich auf Freelance-Basis immer wieder an IT-Projekten gearbeitet, und war an der EPFL Teaching Assistant für die Module Programming I&II für Erstsemestler. Ich habe dann nach meinem Abschluss noch drei Monate für das Schweizerische Rote Kreuz ein Intranet erarbeitet und habe dann direkt zu ti&m gewechselt. Dort wurde ich vom ersten Tag an auf einem Projekt eingesetzt und musste sehr schnell dazulernen. Aber das war sehr spannend, denn es war vieles Neuland. Ich musste vielleicht am Anfang etwas mehr Zeit investieren, aber wenn man offen für Neues ist und gewillt ist mal durchzubeissen, dann ist das eigentlich kein Problem.

Wieso hast du dich entschieden, dich bei ti&m zu bewerben?
Ich habe ti&m an der Polymesse in Zürich kennengelernt und fand die Leute einfach supercool. Die an Startups angelehnte Unternehmenskultur mit den vielen Events, Töggele und Bier hat mich sofort angesprochen. Wir haben dann zusammen ein Bier getrunken und der Rest ist Geschichte.

Es reicht heute nicht mehr, einfach nur gut programmieren zu können.

Was hast du während deiner Zeit als Software Entwickler bei ti&m gelernt?
Vor allem, was es bedeutet auf einem grossen Projekt zu arbeiten und ein solches von Anfang bis Ende erfolgreich durchzuziehen. Ein erfolgreiches Projekt besteht nicht nur aus der Technologie. Es reicht heute nicht mehr, einfach nur gut programmieren zu können. Es müssen Anforderungen definiert werden, das Problem muss verstanden und gelöst werden. Dazu gehört auch die nicht immer einfache Zusammenarbeit mit Kunden, Designern und Projektleitern. Hier braucht es Team Work, eine lösungsorientierte Einstellung, eine gesunde Portion Neugier und natürlich Ausdauer und Beharrlichkeit.

Was gefällt dir besonders an deinem Job?
Dass ich nicht jeden Tag das Gleiche mache und die flexiblen Arbeitszeiten. Solange es für die Kunden stimmt und keine wichtigen Meetings verpasst werden, kann man sich bei ti&m im Team und auch selber sehr gut individuell organisieren.

Sobald die Tage anfangen „typisch“ zu werden, versuche ich das Projekt zu wechseln.

Gibt es denn überhaupt den typischen Tag im Büro?
Den gibt es schon, aber sobald die Tage anfangen „typisch“ zu werden, versuche ich das Projekt zu wechseln.

Gibt es auch negative Aspekte? Was ist der härteste Teil deines Jobs?
Es gibt zwar viel Abwechslung, aber das bedeutet gleichzeitig, dass man als Software Entwickler auch sehr flexibel sein muss. Projekte können sich sehr schnell ändern, und man macht vielleicht nächste Woche wieder etwas komplett Anderes. Dazu gehört auch sich in neue Technologien einzuarbeiten, sowie geografisch flexibel zu sein und mal längere Zeit beim Kunden zu arbeiten. Zum Beispiel gibt es bei uns auch ein Projekt in Liechtenstein. Natürlich kann es auch mal stressig werden und bei wichtigen Deadlines muss man sicher auch mal mehr Zeit investieren und etwas länger im Büro bleiben, vor allem wenn man wie ich am Morgen etwas später kommt (lacht), aber diese Zeit kann man ja auch wieder kompensieren.

Wen bewunderst du besonders?
Die Pioniere der IT, zum Beispiel Alan Kay, Ivan Sutherland und Claude Shannon, welche den Grundstein für einen sehr grossen Teil dessen, was wir heute für selbstverständlich halten, gelegt haben. In der Physik kennt jeder die wichtigsten Namen, in der schnellen Welt der IT tendieren wir aber dazu, diese Pioniere zu vergessen. Ivan Sutherland, zum Beispiel, hat in den 60er Jahren schon so etwas wie ein iPad, das sogenannte Sketchpad, und das erste Graphical User Interface erfunden. Das ist total verrückt. Ich empfehle jedem, dazu das Youtube Video anzuschauen.

Was willst du in nächster Zeit erreichen?
Ich will noch intensiver im Innovation Lab, einem sehr wichtigen Teil unserer Firma, mitarbeiten. Da finden die kleinen Garagenprojekte statt und man arbeitet viel mit neuen Themen und Technologien, zum Beispiel Blockchain oder IoT. Für mich ist das Internet of Things die Zukunft und extrem spannend, da sich hier die Technologie auch mal weg von den Bildschirmen bewegt und ich vermehrt mit physischen Gadgets arbeiten kann.

Hast du einen guten Ratschlag, den du jemandem geben kannst, der gerade anfängt?
Sei du selbst und habe Glück. (lacht) Nein, wichtig ist, dass man für neue Möglichkeiten offen bleibt, denn man weiss nie, was sich daraus entwickeln kann. Und das CV muss stimmen, denn man muss seine Angaben im technischen Interview natürlich unter Beweis stellen können.

 

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  • Tiffany Wüest

    Tiff hat Publizistik und Politikwissenschaften an der Universität Zürich studiert. Nachdem sie mehrere Jahre als Reisefotografin und – journalistin um die Welt gereist war, ist sie bei ti&m als Communications Professional sesshaft geworden.

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