Facetten der «wirklichen» Identität

Von Fiona Könz - 13. Juli 2017

Spannungsfeld // Als Künstlerin setzt sich Fiona Könz unter anderem mit der Frage nach Authentizität auseinander. Hier sieht sie durchaus Parallelen zu den sozialen Medien.

ti&m: Fiona, du wirst unsere art@work Künstlerin 2017 sein. Was bedeutet für dich als Künstlerin der Begriff «Identität»?
Fiona Könz: Das ist eine schwierige Frage – bedeutet Identität für mich als Künstlerin überhaupt etwas anderes als für mich als «normale» Person? Als Künstlerin fliesst natürlich sehr viel von meiner Person und von meinem Wesen in meine Werke ein, bewusst oder unbewusst. Es geht aber keineswegs nur um mich, ich bin – wie jede Person – beeinflusst von meinem Umfeld, unserer Gesellschaft, meinen Eindrücken etc. Am Anfang meiner Laufbahn habe ich intensiv darüber nachgedacht, wie viel von meiner Identität ich wirklich preisgeben will. Vielleicht auch darüber, wie ich gewisse Facetten von mir darstellen möchte, wie ich also das Bild von mir, das sich anderen Leuten durch meine Kunst vermittelt, kontrollieren bzw. optimieren kann. Diese Überlegungen haben sich aber im Laufe der Zeit verflüchtigt oder vielleicht habe ich sie verinnerlicht. Heute habe ich das Gefühl «für mich stimmt das so», wenn ich mit meiner Kunst ein Stück von mir darstelle. Ich bewege mich ganz natürlich und intuitiv in meiner mithilfe der Kunst erweiterten Identität.

Siehst du da eine Parallele zu einer digitalen Identität, die man sich z. B. durch ein Facebook-Profil zulegt?
Wenn man die Abstraktionsebene nur richtig wählt, kann man überall Parallelen sehen. Aber richtig ist sicherlich, dass das oben erwähnte «Preisgeben» ebenso wie das «Darstellen» auch bei der Identität, mit der man sich im digitalen Raum bewegt, eine grosse Rolle spielt. Aber schlussendlich hat man ernüchternd wenig Kontrolle. Wenn man etwas darstellt, kommt durch irgendeine Hintertür die «wahre» Identität wieder rein. Wenn jemand sein Profilbild mit Photoshop bearbeitet, um einem Schönheitsideal zu entsprechen, verrät dies auch, wie unsicher die Person im Grunde ist. Man gibt ein Statement ab, das festgehalten wird und für das man später möglicherweise geradestehen muss – so ist das in einem gewissen Sinne auch mit meinen Werken. Oft hilft da Humor.

Damit ist der dokumentierte Hangover also das Pendant zu deinen Kunstwerken?
Ich sage mal ja, aber es werden glücklicherweise nicht nur Hangovers dokumentiert. Worauf ich mich bei diesem Vergleich einlassen würde, ist das Zusammenspiel zwischen Exponiertheit und Zumutung. In der Kunst genau wie in den sozialen Medien geht es darum, Facetten der «wirklichen» Identität darzustellen und dem Publikum zuzumuten. Aber während man in der Kunst mit diesem Spannungsfeld spielen kann und daraus einen guten Teil des Reizes gewinnt, so kann es gefährlich sein, dies im Social-Media-Umfeld unüberlegt zu tun. Und spätestens bei der Analyse von Shitstorms und Hateblogs möchte ich den Vergleich mit der Kunst nicht mehr weiterziehen.

Dann ist das jetzt der richtige Zeitpunkt, dich zu fragen, welche Facetten deiner Identität du denn in das art@work #012 Projekt einbringen willst.
Ich bin ein Mensch, der anderen Menschen gerne zuhört und sich zu einem gewissen Grad auch durch die Interaktion mit den Menschen definiert. Daher freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dieser Mischung aus Techies, Analytikern, Moderatoren und extrovertierten Designern, die ich bisher bei euch angetroffen habe.

Fiona, wir freuen uns auch auf dich und auf deine Vernissage im Oktober. Danke, dass du dich auf uns einlassen willst.

 

Hier geht's zur Anmeldung für die art@work Vernissagen im Oktober und November 2017. Noch mehr Lesematerial gefällig? Dieser Artikel ist in der 2017 Ausgabe des ti&m special mit dem Titel "Unsere digitale Identität" erschienen. Das ganze Magazin ist hier kostenlos als Download verfügbar.

 

  • Fiona Könz

    Die Engadinerin Fiona Könz lebt, studiert und arbeitet in Zürich. Sie studiert Kunst & Medien an der ZHdK und arbeitet mit verschiedenen Medien im konzeptuellen wie auch experimentellen Bereich. Mit ihrer Arbeit «Kein Bild» war sie 2016 am Förderpreis für gegenständliche Kunst des Bodenseekreises vertreten. Vor ihrem Kunststudium hat sie Biochemie studiert.

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