01. März 2018

Digitalisierung total - die Vernetzung der Dinge


Editorial: 1 Milliarde PCs, 5 Milliarden Smartphones und geschätzt zwi­schen 50 und 100 oder mehr Milliarden vernetzte Dinge, das sind die prognostizierten Zahlen per 2020. Die neue Ausgabe vom ti&m special beleuchtet, inwiefern sich reale und virtuelle Welt immer mehr vermischen und welchen Einfluss FinTech-Unternehmen und Start-ups dabei haben.

Liebe Leserin, lieber Leser

1 Milliarde PCs, 5 Milliarden Smartphones und geschätzt zwi­schen 50 und 100 oder mehr Milliarden vernetzte Dinge, das sind die prognostizierten Zahlen per 2020. Das Internet der Dinge (im Original: Internet of Things, kurz IoT) umfasst alle realen Objekte, die passiv oder aktiv als Netzteilneh­mer agieren können und autonom oder teilautonom Aufgaben abwickeln. Es wird als physischer Anker der Digitalisierung alle Bereiche des Lebens durchdringen und unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Es verschafft der Digitalisierung Augen, Ohren und Hände und schlägt so die Brücke von der virtuellen in die reale, physikalische Welt. Die Grundpara­meter zahlreicher Produkte und Märkte werden neu definiert werden. Eine Unmenge an Daten wird erzeugt und ist zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar, auswertbar und ermöglicht fundierte Entscheidungen – vom Men­schen oder auch von vernetzten Com­putern. Verrückte und spannende Zeiten also, die wir erleben und ge­stalten dürfen.

Abwickler und Mittler im Wett­streit mit P2P-Lösungen: Die Po­sition der Banken und Versiche­rungen als Mittler und Abwickler von Dienstleistungen wird durch P2P-Lösungen herausgefordert. Als erstes erfolgreiches System hat dies Paymit für die Schweiz mit Di­rektzahlungen ohne Courtagen von Konto zu Konto aufgezeigt. Das IoT wird in Form personalisierter Wearables die Authentisierung und Autorisierung von Zahlungen nachhaltig verändern. Zukünf­tig werden Dinge selber wissen, was sie wert sind, und der Kunde autorisiert die P2P-Bezahlung mittels teilautonomer Wearables. Technologien wie Blockchain ermöglichen in einem nächsten Schritt auch die Abwicklung der Transaktionen auf einer absolut vertrauenswürdigen, aber öffent­lichen Plattform, und hinterfragen die Rolle der Banken tiefgreifend.

Mobilität und Sharing Economy: Selbstfahrende Elektroautos, die nicht mehr gekauft, sondern nur noch benutzt werden und als aktive Netzteilnehmer via Smartphone geordert und bezahlt wer­den, lösen nicht nur Teile unserer Umwelt- und Verkehrsproble­me, sondern haben enormen Einfluss auf alle beteiligten Indust­rien. So werden um Grössenordnungen weniger Autos benötigt, Miet- und Versicherungsverträge werden ad hoc und automa­tisch auf Basis der aktuellen Datenlage direkt zwischen Mobili­tätsanbieter und Kunde abgeschlossen, das gesamte Ecosystem «Mobilität» mit allen Zulieferern und Dienstleistern wird sich nachhaltig verändern.

Versicherung versus Prävention: Das klassische Versiche­rungsmodell sichert den Versicherungsnehmer gegen die finanziellen Folgen eines Schadensfalls ab, das Verhindern von Schaden hingegen, eigentlich im Interesse aller, ist noch kein Thema. Eine auf Wearables basierende Gesundheitsüberwachung, die automatische Er­kennung von Risikoprofilen und -verhaltens­weisen oder auch die Sicherung wertvoller Güter mithilfe von IoT-Devices werden neue Versicherungsmodelle und damit auch neue Anbieter hervorbringen.

Logistik und Unterhalt: Wartung, Garantie und Ersatzteilmanage­ment z. B. von komplexen Indust­rieanlagen werden sich zukünftig weitestgehend selbstständig organi­sieren. Daten über den Standort und den Zustand ermöglichen ein hochoptimiertes Serviceangebot über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Daten sind die neue Währung: Wer in der Lage ist, die richtigen Daten zu erzeugen oder zu akquirieren, um da­rauf sein Kernangebot aufzubauen, der wird in den Märkten der Zukunft die Nase vorn haben. Eine nicht ganz triviale Aufgabe im Span­nungsfeld von technisch Machbarem, persönlichem Schutzbedürfnis und gesetzlichen Regulierungen.

Die Neudefinition des Selbst: Wie definiert sich ein Unternehmen neu, wenn bestehende Märk­te auf absehbare Zeit wegbrechen und die neuen Möglichkeiten bei Weitem noch nicht ausgelotet sind? Wie geht man mit dieser Unsicherheit um, wie generiert man Ansätze, die eine Chance auf Erfolg im neuen Umfeld bieten? Kurz – wie macht man Innovati­on? Ich hoffe, Sie kennen alle meine kurze Antwort: Mieten Sie sich eine Garage bei ti&m – wir realisieren Ihre Zukunft! Eine Innovation ist eine realisierte (gute) Idee, wir realisieren Innovation mittels Garagenprojekten und garantieren Produkteinführungszeiten von 6 Wochen bis maximal 9 Monaten. Time to market hat Priorität.

Menschen integrieren Computer und Computer integrieren Menschen in ihre Abläufe und so vermischen sich reale und vir­tuelle Welten stetig mehr. Der Garagenansatz zur Umsetzung von Innovation alleine löst nicht alle Probleme der digitalen Um­wälzung, soziale und ethische Fragen bleiben unbeantwortet. Geschichtlich betrachtet, haben technische Revolutionen stets mehr Wohlstand und Arbeit erschaffen als zerstört und ich bin überzeugt, dass dies auch mit dem Internet der Dinge der Fall sein wird. Wir unterstützen diese Wertediskussion im Kleinen, indem wir unser Jugendcamp hack an app um ein Smartphone- gesteuertes IoT-Lab erweitert haben und so das Wissen und die Urteilskompetenz bei Jugendlichen nachhaltig fördern. Jeder, ob Jurist, Arzt oder Handwerker, jeder wird die grundlegende Funktionsweise von Devices, Wearables und allgemein dem Internet of Things kennen müssen, um als mündiger Nutzer die Vorteile zu nutzen und mögliche Nachteile verhindern zu können. Lassen Sie sich für Ihre eigenen Vorhaben inspirieren, vernetzen Sie sich und diskutieren Sie. Die Herausforderungen der Digitali­sierung wird niemand von uns im «stillen Kämmerlein» lösen. Wir als ti&m freuen uns über jede Diskussion, die wir anregen kön­nen, und sind natürlich jederzeit bereit, unsere Ideen und Erfah­rungen einzubringen.

Mit digitalen Grüssen, Ihr

Thomas Wüst

 

Lesen Sie das gesamte Heft: die komplette Ausgabe des ti&m special gibt es hier kostenlos zum Download.

 


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Thomas Wüst

Thomas Wüst hat Informatik an der ETH in Zürich studiert und ist seit über 30 Jahren in den Bereichen IT-Consulting und Software Engineering tätig. Anfang 2005 gründete er die ti&m AG und leitet seither das Unternehmen als CEO und Hauptaktionär. Ausserdem ist er Präsident des Verwaltungsrates der ti&m.

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