02. Mai 2018

art@work Softspace – Daten erlebbar machen

Schumann_Marie_Portrait

Egal ob im Büroalltag oder Zuhause: Atmosphäre ist ein essenzieller Faktor, der uns ständig umgibt und beeinflusst. Das neue art@work Projekt Softspace von Marie Schumann bringt textile Objekte in den Raum und macht damit Daten und Informationen haptisch erfahrbar. Im Interview erklärt sie, wie sie das Material Textil mit ti&m verknüpfen und gleichzeitig unsere Ingenieure gewinnen will.

ti&m: Marie, wie willst du unsere detailverliebten Ingenieure mit deiner Kunst knacken?

Marie Schumann: Die Verbindung von Technik und Ästhetik ist ein sehr spannendes Feld und ich denke, dass ich gerade mit der Technik des Webens einen guten Zugang zu den Ingenieuren finden kann. Da der Jacquardwebstuhl einer der ersten Computer war, besteht hier schon eine tolle Verbindung zu ti&m und den „Computermenschen“. Ausserdem bin ich sehr gespannt, wie sie auf etwas Materialisiertes reagieren werden – Daten, die aus dem computergesteuerten System zu Textil gewoben wurden, das wird spannend!

Du beschäftigst dich unter anderem mit den atmosphärischen Eigenschaften von Textil. Wie willst du das Material Textil im Zusammenhang mit ti&m zum Ausdruck bringen?

Ich glaube, dass ich atmosphärisches Material sehr gut in die Räumlichkeiten von ti&m integrieren kann. In Gesprächen mit Mitarbeitern konnte ich feststellen, dass es sehr sensible Wahrnehmungen zu und in den Büroräumen gibt. Ich war über die vielfältigen Rückmeldungen positiv überrascht und habe zum Beispiel öfters den Wunsch nach Pflanzen hören dürfen. Das ist für mich ein Zeichen und Verlangen nach mehr Atmosphäre und Material – hier bin ich mir sicher, dass die textilen Gewebe einen Mehrwert bringen werden, ob das nun bewusst oder unbewusst wahrgenommen werden wird.

Da der Jacquardwebstuhl einer der ersten Computer war, besteht hier [...] eine tolle Verbindung zu ti&m und den 'Computermenschen'.

Du hast in Hamburg und Luzern studiert, in Kopenhagen ein Praktikum absolviert, und in Singapur ein Projekt realisiert. Wie haben diese verschiedenen Kulturen deine Kunst beeinflusst?

Ein Ortswechsel tut immer gut, ich finde es sehr spannend die verschiedensten Seiten der Welt sehen und kennenlernen zu können. An jedem Ort nehme ich andere Sachen mit in meinen Erfahrungsschatz und so wird er quasi immer bunter. In Hamburg habe ich gelernt, meine Freiheit im Kopf zu behalten, in Luzern dafür das Durchdenken und Planen, in Singapur einen neuen Blick auf das Schaffen von Kunst zu bekommen und in Kopenhagen ein interessantes Farb- und Formgefühl.

Worauf müssen sich unsere Mitarbeiter einstellen? Was erwartest du von ihnen?

Ich freue mich sehr über Neugierde, das ist alles was es braucht, um in den Geweben etwas entdecken zu können. Da gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, ich freue mich sehr darauf, mit den verschiedensten Mitarbeitern ins Gespräch kommen zu können und deren Wahrnehmung erfahren zu dürfen.

Was haben deine Kunst und ti&m gemeinsam?

Die Vernetzung wird eine Gemeinsamkeit darstellen, ich arbeite mit Fäden um diese textil darstellen zu können. Ausserdem werden diese Verbindungen, so wie es im Moment aussieht, inhaltlich mit Daten der unterschiedlichsten Bereiche von ti&m generiert werden. Aber hier ist auch noch vieles offen und wird sich im Laufe der Zeit ergeben, das ist ja das spannende am künstlerischen Arbeiten!

Ich freue mich sehr über Neugierde, das ist alles was es braucht, um in den Geweben etwas entdecken zu können.

Wo siehst du in diesem Projekt die Schwierigkeiten?

Im Moment arbeite ich an verschiedenen „Baustellen“. Ich möchte die Konstruktionen, die die Gewebe halten werden an die Räume von ti&m anpassen und muss hierzu mit Stahl experimentieren, das ist eine Herausforderung. Es macht aber auch sehr viel Spass, weil ich mit festem, starrem Material arbeiten kann, das ist ein guter Kontrast zu Textil. Ausserdem bin ich textiltechnisch gefordert, weil ich die Bindungen so entwickeln möchte, dass sie eine bestimmte Wirkung haben werden. Hierfür bin ich auf der Suche nach Garnen und Bindungen. Ausserdem bin ich mit grossartiger Hilfe von Fabian am Erarbeiten der visuellen Erscheinung. Hierbei programmiert er nach Vorlagen in einem speziellen Programm Daten der ti&m in eine visuelle Darstellung, das ist inhaltlich noch eine Herausforderung, aber wir sind dran und ich bin sehr gespannt, wie all die „Baustellen“ am Ende gelöst und in etwas Neues umgesetzt werden!

«Kunst ist die Mutter aller Dinge». Stimmst du zu?

Na, das weiss ich nicht genau. Ich glaube, dass Kunst eine Art ist, die Welt mit anderen Mitteln zeigen und zugänglich machen zu können. Damit kann nicht immer jeder etwas anfangen, aber es ist immer eine Möglichkeit, die einem geboten wird. Man kann sie annehmen – muss aber auch nicht.

Über Softspace

In der IT-Branche befinden sich Material und Haptik in der digitalen Welt. Das Projekt Softspace spannt Netzwerke auf, die im realen Raum stattfinden und lädt die Mitarbeitenden und Besucher von ti&m dazu ein, im Material neue Inspiration zu finden. Die Gewebe entstehen am Jacquardwebstuhl: einem der ersten Geräte überhaupt, das nach dem binären Prinzip arbeitete. Der Webstuhl gilt damit als Vorreiter der Computerindustrie und schafft so eine direkte Verbindung zur heutigen Arbeitswelt von ti&m.

Im niederländischen Textiellab Tilburg werden die Gewebe entwickelt und an industriellen Jacquardwebstühlen abgewebt. Anschliessend werden filigrane Gestelle aus Stahl konstruiert, um die Gewebe räumlich platzieren und sie in das Büro von ti&m integrieren zu können. Hierbei lassen sie sich als Raumelemente nutzen und bleiben teils bewegliche Elemente, mit denen interagiert werden soll. In der Gestaltung stehen lose, freihängende Fäden sinnbildlich für den digitalen Raum, spannen Verbindungen auf und lassen Programmierung und visuelle Gestaltung ineinanderfließen. In Zusammenarbeit mit ti&m und einem flexible Software-Sketchbook werden mit Hilfe von Firmendaten Visualisierungen programmiert, die als Grundlage für das Weiterverarbeiten zu Geweben dienen. Softspace beschäftigt sich mit räumlicher Atmosphäre und bezieht die informationstechnologische Umgebung inhaltlich mit ein. Die textile Herstellungsweise und das erfassbare Material machen es möglich, Daten und Informationen auf eine andere, sehr menschliche Art, erleben zu können.

Über Marie Schumann

Geboren 1991 in Offenbach am Main, studierte Marie Schumann im Bachelor Textildesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und absolvierte ihren Master an der Hochschule Luzern. Neben einem Einblick in die Welt der skandinavischen Farben und Formen in Kopenhagen verbrachte sie mit einem Arbeitsstipendium Zeit in Singapur. Ausstellungen fanden in Hamburg, Luzern, Paderborn und Winterthur statt. Momentan lebt und arbeitet sie in Zürich. Mehr zu Marie hier. 


Tanja Beeler
Tanja Beeler

Tanja Beeler studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Politologie sowie Gender Studies an der Universität Zürich. Seit Anfang 2016 arbeitet sie als Marketing Professional bei ti&m. Neben verschiedenen Events und dem HR Marketing, betreut sie das Projekt hack an app.

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